Kritiken


Ihr Beethoven besitzt feinsinnigen Charme. Sie setzt auf geschmeidiges, ästhetisches Spiel. Es ist alles da: die Lyrik, die Dramatik, Beethovens Eigenwille. Rubinova musiziert ausgeglichen und klangschön, ruhig und gelöst. ... An diesem Beethoven kann man seine Freude haben.

Jan Renz, Kreiszeitung Böblinger Bote, 10.08.2017

Evgenia Rubinova, Pianistin von Weltrang und für farbige Klanggebung und souveräne Interpretation gleichermaßen gerühmt, hat an diesem Abend zwei Solostücke zu spielen, die den Zuhörern schier den Atem rauben. Das eine sind Beethovens „Zwölf Variationen über den russischen Tanz aus dem Ballett Das Waldmädchen“ von Paul Wranitzky, einem Zeitgenossen Mozarts. Nach einem Auftakt mit perlenden Läufen wird in Klangbild und Rhythmus bald der folkloristische Ursprung der Musik hörbar.

Rita Baedeker, Süddeutsche Zeitung, 01.07.2017

Evgenia Rubinova trifft instinktsicher den Ton des Komponisten. Mit dramatischer Verve und lyrischer Feinzeichnung ... und verleiht dem von Liszt arrangierten Zyklus "An die ferne Geliebte" Poesie und gesanglichen Atem. Die eher leichtgewichtigen "Waldmädchen-Variationen" werden unter Rubinovas Händen zu einem leibevoll ausgearbeiteten Kleinod, das selbst die größten Beethoven-Kenner überraschen und entzücken dürfte.

Fank Siebert, Fono Forum, 06.2017

Evgenia Rubinova, die schon 2007 ihr Debüt in der Radio Bremen-Reihe "Auf schwarzen und weißen Tasten" gegeben hat, zeigt sich auf ihrem aktuellen Album einmal mehr als intelligente Virtuosin mit viel Charme und Esprit. Für Beethoven-Fans ist diese neue Platte eine echte Fundgrube mit selten gespielten Raritäten der Klaviermusik.

Wilfried Schäper, Radio Bremen, 07.04.2017

Ihr singender Tastenanschlag lässt beinahe vergessen, dass „An die ferne Geliebte“ ein Liederzyklus ist. Franz Liszt, über die Brücke Carl Czernys quasi Enkelschüler Beethovens, lieferte mit seiner Transkription dieser sechs Lieder das Notenmaterial,das Rubinova aus dem Innersten heraus und facettenreich zu Klang werden lässt – sprechend und schwärmend.

Die zwölf „Waldmärchen“-Variationen, wannsind sie schon zu hören? Rubinova lässt in ihnen das Feine, Verspielte hören, schärft charakterliche Gegensätze. Beherzt wecktsie diebeiden Klaviersonaten op.10, macht mit dem unterschätzten Sonaten-paar einen jungen,drängenden Beethoven hörbar – souverän, doch nie überzogen.

Beethoven und Liszt bringt Rubinova auch anhand der 6 Variationen op. 76 in Verbindung. Liszt paraphrasierte über Themen dieser Schauspielmusik in seinem „Capriccio alla Turca“. Dem Ideenreichtum und Feinsinn dieser Bearbeitungen spürt sie nach und entfacht am Ende ein pianistisches Feuerwerk.

Karsten Blüthgen, Sächsische Zeitung, 01.04.2017

Rubinova vertieft sich mit Hingabe, Tiefgründigkeit, ihrer stupenden, aber auch sehr sensibel austarieren Technik, aber auch dem nötigen Quäntchen Augenblickseinfall in die rare Literatur.

Jens Voskamp, Nürnberger Nachrichten, 22.03.2017

..."Und es ist dieser samtig-feine Anschlag, verbunden mit einem untrüglichen Gespür für die klanglichen Dimensionen dieser Stücke, der Rubinovas Aufnahme auszeichnet und diese so hörenswert macht. [...] Zu den besonderen Attraktionen dieser CD aber gehören Beethovens „Waldmädchen“-Variationen. Grundlage für dieses Werk ist ein russischer Tanz aus dem Ballett „Das Waldmädchen“ des Komponisten Paul Wranitzky aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Hier gibt sich Beethoven rhythmisch ausgesprochen raffiniert, mal wild, mal lieblich. Und das arbeitet Evgenia Rubinova prägnant heraus, ohne die Klangkultur zu vernachlässigen. Dazu passt hervorragend – gleichsam als Rausschmeißer – Liszts humorvolles „Capriccio alla turca“ über Themen aus Beethovens „Die Ruinen von Athen“. Ein funkelnder Schlusspunkt auf dieser anregenden CD."

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse, 09.03.2017

Die Klavierpoetin Evgenia Rubinova spielt ein kluges Beethoven-Liszt-Programm.

Johannes Saltzwedel, LiteraturSpiegel, 01.03.2017

… Und doch - irgendwie müssen es die Pianisten schaffen, ihr Instrument zum Singen zu bringen. Manchen gelingt das so gut, dass ihr Ton fast ebenso beseelt klingt wie bei großen Liedinterpreten. Etwa der aus Usbekistan stammenden Pianistin Evgenia Rubinova. Sie hat auf ihrer neuen CD Beethovens Liederzyklus "An die ferne Geliebte" eingespielt - ganz ohne Gesangsstimme: nämlich in der Transkription für Klavier solo von Franz Liszt.

Mit viel Klangphantasie, perfekt kontrolliertem Anschlag und genau dosiertem Einsatz des Pedals lässt Evgenia Rubinova die melodischen Linien aufblühen. (…) Die Lieder bleiben in der Klavierfassung so innig, intim und berührend wie im Original. Evgenia Rubinova spielt sie in Liszts romantischem Geist, sehr gefühlvoll, dabei nie larmoyant. Viel direkter ist sie, passenderweise, bei Beethoven im Original.

Die beiden Klaviersonaten op. 10, Nr. 1 und Nr. 2 bieten ein funkelndes Spiel voller Kontraste und Ideen. Die eine in dramatischem c-Moll, die andere in blendend gelauntem F-Dur. Evgenia Rubinova reagiert hellwach auf alle Überraschungen, gibt den Phrasen Relief, lässt Melodien atmen und hat Sinn für Beethovens trockenen, manchmal übermütigen Humor. Etwa im Finale der F-Dur-Sonate, ein im Presto abschnurrendes Perpetuum mobile in Form einer kunstvollen Fuge, bei der man sich fragt, ob Beethoven damit wirklich kontrapunktische Gelehrsamkeit demonstrieren wollte oder sich nicht viel eher darüber lustig macht.

Schade, dass Evgenia Rubinova nur zwei der drei Sonaten Opus 10 eingespielt hat - denn eigentlich bilden sie einen kleinen Zyklus. Dafür wird man mit hörenswerten Entdeckungen entschädigt, die man kaum je im Konzert erlebt: Beethovens Variationen op. 76 und den Wranitzky-Variationen.
Eine tolle CD - das kleine, feine Label Telos Music hat mit Evgenia Rubinova eine erstklassige Pianistin gewonnen. Für das, was sie kann, ist sie eindeutig noch zu wenig bekannt.

Bernhard Neuhoff, BR Klassik CD-Tipp, 23.02.2017

“Evgenia Rubinova beweist auf ihrer neuen CD konzeptionelle Durchdachtheit und bezügereiche Zusammenstellung.

… Zwei Beethoven-Bearbeitungen durch Franz Liszt umrahmen das CD-Programm: Am Anfang steht der Liederzyklus An die ferne Geliebte. Evgenia Rubinova erzählt hier mit blühendem Lyrismus, zarter Poesie und sehnsüchtiger Versunkenheit, vor allem aber mit singendem Anschlag und leuchtendem Klang eine romantische Geschichte voller Liebe und Sehnsucht. Das abschließende „Cappriccio all turca (über Themen aus Beethovens Die Ruinen von Athen) präsentiert Frau Rubinova mit illustrem Pomp, blitzendem Witz und flimmerndem Glanz, zwischendurch mit leicht ironischem Zwinkern über so vie „äußerliche“ Musik.

… Relativ unbekannt sind Beethovens 12 Variationen über den Russischen Tan aus Wranitzkys Ballett „Das Waldmädchen in A-Dur“ WoO 71. Mit höchst variablem Anschlag spielt Evgenia Rubinova die vielen klanglichen Reize aus und lässt immer wieder die schwingende Pendelbewegung entstehen, die diese Variationen durchgehend prägt.

Konzeptionelle Geschlossenheit und fast philosophische Durchdringung der Form sind die Stärken der – auch im Konzertsaal nicht oft gespielten – Beethoven-Sontaten op. 10,1 und 2. Bezwingend dabei ist insbesondere, wie Evgenia Rubinova im Kopfsatz von op. 10/1 brausend voranstürmt und gleichzeitig alles aus einem Guss gestaltet: Philosophie mit Feuer.

… Das Klangbild der CD ist hochfrequenzig hell, plastisch deutlich und doch angenehm rund. Diese CD zu hören und immer wieder zu hören ist ein Genuss.“

Rainer W. Janka, Klassik-heute.com, 22.02.2017

“... Die 1977 in Taschkent geborene, in Frankfurt ausgebildete und heute in Nürnberg lebende Pianistin hat ein Beethoven-Programm zusammengestellt, das sich betont dem Randständigen widmet. Unterstützt wurde sie dabei von Franz Liszt: Der hatte Beethovens Liedzyklus „An die ferne Geliebte“ für Klavier bearbeitet und auch dessen „Ruinen von Athen“-Ouvertüre in ein „Capriccio alla turca“ überführt. Dazu hat Evgenia Rubinova noch die themenverwandten und hübsch ruppigen Variationen op. 76 sowie die „Waldmädchen“-Variationen ausgewählt, zwei frühe Sonaten komplettieren das Raritätenprogramm. Rubinova spielt es klar, offensiv, lässt auch derbe Töne zu, das Beethoven-Pendel schwingt hier weit aus zwischen der „Fernen Geliebten“-Romantik und einem bodenständigen Humor."

Stefan Schickhaus, Echo-online.de Alben, 16.02.2017

Pianistin Evgenia Rubinova ist eine souveräne und feinsinnige Künstlerin. Mit luzider Innerlichkeit und selbstverständlicher Brillanz meistert sie die pathetischen Momente und technischen Kraftakte von Liszts erstem Klavierkonzert.

Sabine Kreimendahl, Erlanger Nachrichten, 26.02.2016

"meisterte ihre Aufgabe bis in die vertracktesten Stellen der Schlussfuge pianistisch überlegen, mit gewinnendem Charme, klangschön und biegsam mit fließenden Tempi, dabei immer klar konturiert und ohne alle Härte."

Ingo Harden, Fono Forum, 02.2016

Evgenia Rubinova hat den dritten Abend beim diesjährigen Böblinger Pianistenfestival gegeben – und ihr Publikum entzückt.
(...) Am Freitag zeigte sie sich als berauschende Virtuosin und Meisterin der kleinen Formen.
(...), dass die zweisätzige Sonate [Nr. 22 in F-Dur op.54] eine Herkulesaufgabe für die Interpretin bedeutet: Sie muss innerhalb kurzer Zeit den Spagat zwischen der „kleinen“ Form des ersten Satzes und seinem scheinbar harmlosen Beginn und dem konzertant-virtuos-furiosen Schluss bewältigen, ohne sich in Ruhe in das Werk einspielen zu können. Letztlich braucht es da die energische Präsenz und gleichzeitige innere Ruhe Rubinovas, um eine solche Sonate erfolgreich aufzuführen. Die Wiedergabe war eine Sternstunde, in der Rubinova ihr Publikum auf eine musikalische Entdeckungsreise in das unbekanntere Ouevre Beethovens mitnahm.
Das galt auch für die beiden ersten Stücke des Abends. Vor allem Beethovens „variierte Themen über Volkslieder“ op. 105 könnten allzu leicht als kassemachende Gelegenheitswerke eingestuft werden. Dem trat Rubinova entschieden entgegen, indem sie auf faszinierende Art und Weise unter
Beweis stellte, was eine Variation leisten kann: Sie taucht ein scheinbar belangloses Thema immer wieder in andere Klangfarben, dreht und wendet es, bis seine ganze Kostbarkeit zum Vorschein kommt. Die Pianistin machte aus dieser Aufgabe keine Pflichtübung, sondern fügte sich in den im 19. Jahrhundert üblichen improvisatorischen Geist, in dem das Ausprobieren und Variieren weit populärer und wichtiger war als im heute weitgehend erstarrten und auf wenige Werke fixierten klassischen Musikbetrieb. Gerade in schnellen Läufen, die ihre Spannung aus Gegenbewegungen und Synkopen bezogen, artikulierte sie teils so agogisch, dass man schon fast meinte, man hätte es mit hochkarätigster Jazzimprovisation zu tun. Ein großes Vergnügen. http://www.krzbb.de/

Boris Belge, Böblinger Bote, 25.01.2016

"Ludwig van Beethovens musikalische und pianistisch extrem anspruchsvolle Sonate für das Hammerklavier op. 106 in neuen Aufnahmen. ... Ihre Interpretation gefällt in dem natürlichen Fluss der Musik, der die Kontraste im ersten Satz schön in den Spielfluss einbindet. Das Adagio nimmt sie weniger monumental als Sokolov. Während Rubinova das op. 106 eindrucksvoll mit Beethovens Klaviersonate E-Dur op. 109 kombiniert,..."

Bernhard Hartmann, General-Anzeiger, 21.01.2016

... tatsächlich gewinnt die Musik: Das Scherzo wird nicht im Sprint durchrannt, sondern Rubinova spaziert mit Grazie über kecke Stolpersteine. Auch im ersten Satz nimmt sie sich die Zeit, Gedanken voneinander abzusetzen, und lässt jede Phrase des ersten Motivs mit viel Nachdruck stehen. ... Ihre radikal rhetorische Durchleuchtung lässt die Musik Beethovens wie Gedanken, Schilderungen oder Gespräche erleben. Im dritten Satz der „Hammerklaviersonate“ unterbricht sie diese und färbt ihn mit ihrem schlichten, introvertiert-dunklen Klang in melancholisch-verträumtes Licht, das sie dann wiederum nüchtern aus der Ferne betrachtet.

Nastasia Tieze, Thüringer Allgemeine, 16.01.2016

Die immer weitere und intimere Bezüge erforschenden Chopin-Variationen über die Arie "La ci darem la mano" aus der Mozart-Oper "Don Giovanni" kommen ihr schon mehr entgegen: mit Raffinesse und fein dosiertem Theaterdonner belebt sie die mal verführerisch mal abgründig schillernde Szenerie.

Dazu passt die Zugabe mit ihrer Sheherazade-Fantasie nach Rimski-Korsakow: Wie eine Wendeltreppe aus Licht entspinnen sich orientalisch angehauchte, delikate Arabesken neben kraftvoll gesetzten Akkordquadern.

Anja Barckhausen, Nürnberger Nachrichten, 28.12.2015

Den Höhepunkt der musikalischen Darbietung stellten freilich die Klavierwerke mit dem beeindruckenden Spiel Rubinovas dar. Die deutsche Pianistin aus Usbekistan gestaltet nuanciert, in allen Schattierungen von feinfühlig bis kraftvoll, und mit schön perlendem Anschlag.

Sonja Samberger, Nürnberger Zeitung, 28.12.2015

Entdeckungen gehören zu den künstlerischen Interessengebieten von Evgenia Rubinova und zeugen von ihrer pionierhaften Neugier, Ungehörtes und Raritäten großer Meister zum Klingen zu bringen. Doch sie stellt sich ebenso den ganz großen und bekannten Herausforderungen der Klavierliteratur – und dazu gehört an vorderster Front Beethovens „Hammerklavier-Sonate“ op. 106. Auf ihrer jüngsten CD, einer Live-Aufnahme im Rahmen eines Konzertzyklus aller seiner 32 Sonaten, überzeugte sie Publikum und Kritik mit der Interpretation dieses Riesenwerks, ebenso wie mit der darauffolgenden Sonate E-Dur op. 109. [...] Was Beethoven dann in der maßlosen Fuge an Motivgeflechten und übereinandergeschichteten Themensträngen entfesselt, wurde von Evgenia Rubinova mit klarer Transparenz und kraftvoll-variablen Linien herausmodelliert. Die in musikalischen Labyrinthen sich „verirrende“ Fuge im metrischen Puls zu halten, ist eine Riesenherausforderung, der die Pianistin mit klug disponierten Tempi gerecht wird. Die wie ein Miniaturen-Gedicht anmutende Sonate E-Dur verdichtet unter Rubinovas Händen lyrisch-helle Klangräume mit rasant huschenden Sequenzen, endet in einem tröstlichen Andante. Dass Evgenia Rubinova intelligente künstlerische Analyse mit klangsinnlicher Brillanz zu verbinden versteht, hat sie schon in ihrer vorangegangenen CD mit unbekannten, farbigen Prokofjev-Perlen vorgeführt.

Manfred Engelhardt, Augsburger Allgemeine, 16.12.2015

und wo [Prokofjew] sanfter ist, humorvoll oder mit Klangfarben spielt, da ist Evgenia Rubinova ganz groß.

Neue Osnabrücker Zeitung, 15.11.2015

Vor allem die überragende Evgenia Rubionva [bietet] ein Beethoven-Spiel von klassischem Format: unsentimental, zielgerichtet, dramatisch, humorvoll und formvollendet.

Robert Nemecek, Piano News 6/2015, 01.11.2015

... unvergleichliche Poesie ihrer subtilen, facettenreichen Interpretation.

Peter Riecke/Dieter Albrecht, Gothaer Allgemeine, 17.10.2015

Mit majestätisch klangvollem Ausdruck sowie filigraner Eleganz gestaltete sie die märchenhafte Erzählung. Ihr gestalterisches Augenmerk richtete sie dabei weniger auf die verträumte Sentimentalität, die bei Tschaikowsky durchaus angelegt ist, als auf die scherzhafte, kecke Seite des Klavierkonzerts. Mit ihrer Fingerläufigkeit drängte Rubinowa stets nach vorne und gestaltete durch prägnante Artikulation und direkten Klang.

Nastasia Tieze, Thüringer Landeszeitung, 17.10.2015

Eine unverwechselbare Handschrift ... Sie verfügt über eine ausgefeilte Technik und viel Klangsinn. Ihr variabler Anschlag ist nie dünn oder hart, ihr Spiel ist von großer Souveränität und immer glasklar.

Jan Renz, Böblinger Bote, 06.02.2015

Zeitlose Ruhe und tiefenentspannte Natürlichkeit

Stefan Schickhaus, Wiesbadener Kurier, 04.02.2015

Evgenia Rubinova, die im perfektem Zusammenspiel mit Leichtigkeit, Temperament und viel Gefühl Mozarts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 d-Moll KV 466 interpretierte ... Zu den Sternen griff die Pianistin in ihrer Zugabe, Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2.

André Bertram, Goslarsche Zeitung, 28.09.2014

Es gab Ovationen für ihn, in der ersten Programmhälfte aber auch für Evgenia Rubinova, mit der er Mozarts d-Moll-Konzert KV 466 in allen Schattierungen ausleuchtete.

Das Spiel der Pianistin – brillante technische Geläufigkeit und konzentrierte Kraftströme, auch die beeindruckend aufgebauten Kadenzen – stellte sich in den Dienst von Mozarts subtiler Hell-Dunkel-Dramaturgie; die mit wunderbar schlichter Dur-Unschuld angestimmte Romanze und der darin jäh einbrechende g-Moll-Sturm standen exemplarisch dafür. Nach dem dämonisch absinkenden Pianissimo-Schluss gab es für Evgenia Rubinova stürmischen Beifall.

Manfred Engelhardt, Augsburger Allgemeine, 26.05.2014

Mit schlackefreiem Anschlag buchstabiert Evgenia Rubinova dabei nicht nur kristallin die kontrapunktische Struktur aus, sondern verschiebt den Klang des modernen Flügels auch entschieden Richtung Cembalo. Das zeitigt hübsche Kontrastwirkungen zur ebenfalls von Beethoven intendierten Poesie. (...) Ihre exzellenten manuellen Fähigkeiten gestatten ihr dagegen, auch romantische und emotionsgeladene Werke in allen Details in Szene zu setzen.

Bernd Heiden, Sindelfinger Zeitung, 11.02.2014

Beethovens „Hammerklaviersonate” ist ein monumentales, wuchtiges Werk. (...) Sie entdeckt Momente des Abbrechens und Verstummens. (...) der langsame dritte Satz, den Rubinova schattierungsreich, geradezu andächtig gestaltete, sie begab sich auf eine Reise von fast Schubert‘scher Weiträumigkeit. Sie förderte die Reichtümer dieses Satzes zu Tage. (...) Gefürchtet, fast unspielbar ist die abschließende Fuge. Hier bewährte sich Rubinovas ausgezeichnete Technik, sie entwarf eine funkelnde Fuge, ja ein Fugenfeuerwerk. Beethoven stößt hier fast in atonale Bereiche vor. Dieser horrend schwere Schlusssatz klang unter den Fingern der Pianistin ganz locker und leicht, ganz klar – eine imponierende Vorstellung. Die zweite Konzerthälfte war Sergej Prokofiew gewidmet. (...) Rubinovas Anschlag bewegte sich zwischen delikat und perkussiv.

Jan Renz, Kreiszeitung Böblinger Bote, 20.01.2014

Evgenia Rubinova ist keine Pianistin der großen Gesten. (...) Akustisch bietet sie allerdings ein ganz anderes Bild. Kraftvoll und überzeugend interpretierte der musikalische Gast der Gevelsberger Konzertgesellschaft auf der Bühne des Zentrums für Kirche und Kultur die Werke von Beethoven und Rachmaninow. Das Publikum zog sie in ihren Bann. (...) Im ersten Teil ihres Konzertes spielte die Musikerin die Hammerklaviersonate von Ludwig van Beethoven, eine Herausforderung nicht nur für die Pianistin, sondern auch für das Publikum. Kraftvoll und auch ungestüm kommt die Musik daher, verlangt aber auch die volle Konzentration auf die Kleinigkeiten, die fast im Werk versteckt sind. Evgenia Rubinova verstand dies herauszuarbeiten. (...) Den zweiten Teil ihres Konzertes widmete die Pianistin Rachmaninow, dem Komponisten, mit dem sie den Durchbruch auf den großen Bühnen auf allen Erdteilen erreichte. Elegant und romantisch kamen „6 Moments musicaux“ daher. Eine Erholung nach dem schweren Beethoven. Es war spürbar, dass Evgenia Rubinova und Rachmaninow irgendwie zusammen gehören.

Klaus Bröking, WAZ, 16.01.2014

Die Düsternis des Satzes wirkte durch das Tempo weniger schwer, und die Zuhörer durften sich erfreuen an der sorgsamen Wiedergabe einer Vielfalt überraschender musikalischer Einfälle. Mit dem Largo-Beginn des Schlusssatzes sorgte Rubinova für eine kurze Atempause, worauf sie über viele Höchstschwierigkeiten – geradezu halsbrecherische Fugen, Doppeltriller, massivste Akkordballungen, Synkopierungen und dergleichen mehr – souverän zum Ende kam.

Ulrich Schlecht, Neue Württembergische Zeitung, 04.12.2013

Die aus Taschkent stammende Pianistin hat – bei aller Brillianz und Gesanglichkeit im Ton – auf eine wunderbare Art immer auch die Gesamtarchitektur der Kompositionen im Blick. Debussys “Estampes” für Klavier solo klingen bei ihr so, als würden ihre Finger auf einer Wasseroberfläche tanzen: mal fließend, mal perlend, dann wieder wie von einer Brise bewegt, ganz zu schweigen von dem Glitzern der Lichtpunkte auf dem Wasser. Man vergisst, dass das Klavier eigentlich ein Schlaginstrument ist. Eingefasst ist Debussys Werk bei Rubinova aber – und das ist das Besondere – in ein deutlich akzentuiertes Gerüst aus Harmonien, die einen eigentümlichen Reiz verströmen. Sie sind voll von exotischem Charme und voller Süße. Gleichzeitig streben sie in so viele Richtungen auseinander, dass es ihnen eine ganz eigene Strahlkraft verleiht.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 03.12.2013

Pianistin Rubinova zeigte sich anschließend in Debussys „Estampes” als erstklassige Musikerin. (...) Ein tolles Team, das sich musikalisch hervorragend ergänzt.

Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten, 26.11.2013

Mit höchster Akuratesse, zugleich mit Kraft und Feingefühl, lieferte die Solistin einen begeisternd authentischen Prkokofjew ab.

Dieter Albrecht, Gothaer Allgemeine, 26.10.2013

Großartig, wie sie den unterschiedlichen Gesichtern in Prokofjews Musiksprache Ausdruck verlieh, selbst in deren rasantesten Steigerungen.

Horst Gröner, Zeitung für Gotha, 26.10.2013

Starke rhythmische Akzentuierung und absolute thematische Verdichtung prägten Prokofjews 3. Klavierkonzert. Die junge Evgenia Rubinova überzeugte bei hämmernden Akkorden und perlenden Laufpassagen durch die absolute Unabhängigkeit ihrer Hände. Mit finessenreicher Phrasierung stellte sie weniger die Exzentrik und den martialischen Charakter des Werks heraus, sondern verlieh ihm die inspirierte Kapriole des spontanen künstlerischen Einfalls. Bei aller Versenkung glänzte sie mit der Klarheit der Diktion.

Julia Stadter, Thüringische Landeszeitung/Thüringer Allgemeine, 26.10.2013

Erst in fünfzig Jahren würde man seine „Hammerklaviersonate“ spielen können, meinte Beethoven, als er sie 1816/17 komponierte. (...) Die aus Taschkent stammende zierliche Russin begann fast beiläufig mit den berühmten Anfangsdreiklängen, spielte schnell, unprätentiös klar in der fugierten Durchführung, technisch souverän und formbewusst. Rubinova muss nicht protzen, sie kann es einfach, hat Beethoven begriffen. Ein Zwischenruf „Wahnsinn!“ aus dem Publikum ...

Und dann kam das abgründige zerklüftete „Adagio“. Rubinova hatte den langen Atem dazu, die klangliche Ästhetik zur liedhaften Lyrik, den Mut zum angenehm unpathetischen Innehalten, die Emphase zu Trotz und Drastik, das Vermögen eines atemberaubenden Pianissimo, kurz: Sie überzeugte mit dem Beweis, dass dieser Satz nicht mehr von dieser Welt ist. Mucksmäuschenstill war’s im Saal. Spannung, Respekt, Ewigkeit in der Musik.

Auch im Finale hielt der Bann an: Es ist eine aberwitzig verdichtete Fuge, die ein bizarres Konglomerat fugentechnischer Raffinesse darstellt und ein Maximum an technischem und künstlerischem Vermögen abverlangt. Rubinova integrierte die irrlichternden Zerklüftungen straff, stringent, kraftvoll, vehement. Betroffenes Schweigen nach diesem grenzenlosen Kosmos, begeisterter Applaus.

… Sie spielt einen klaren, durchscheinenden Rachmaninow, ohne romantische Sentimentalität, mit luzider Innerlichkeit und selbstverständlicher Brillanz. Das ist berührend, begeisternd. Rubinova wurde mit anhaltendem Applaus bei teils „standing ovations“ zu zwei Zugaben genötigt …

Sabine Kreimendahl, Erlanger Zeitung, 17.10.2013

Mit Evgenia Rubinova kommt eine herausragende Pianistin zum vierten Sinfoniekonzert des Stadttheaters am heutigen Dienstag um 20 Uhr. Dies war auch nach einer kurzen musikalischen Kostprobe am Sonntag im Foyer nicht zu überhören. Ein wahres Glanzstück virtuoser Klaviermusik erfüllte den Jugendstilraum.

Evgenia Rubinova brillierte mit der bekannten 2. Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt, zu Beginn hatte sie bereits zwei Lieder von Franz Schubert in einer Bearbeitung von Liszt gespielt. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit lauten Bravorufen bei der Künstlerin. (…)

Ihre vielfach gerühmte individuelle Interpretation zeigte sich bereits bei den kurzen Darbietungen am Sonntag: Zart und energisch, nachdenklich und vor allem mit einer ungeheuren Spielfreude stellte sie auch die anspruchvollsten Passagen der Rhapsodie vor. Und immer hatte sie ein versonnenes Lächeln auf dem Gesicht, wenn ihre eine diffizile Tonfolge besonders gut gelungen war. „Wie soll ich da dirigieren, wenn ich lieber zuhören würde?“, bemerkte der Italiener Salmieri, der seit vielen Jahren auch in östlichen Ländern arbeitet, mit einem kleinen Augenzwinkern.”

Auf alle Fälle bestätigte er, dass Dirigent und Solistin sich unbedingt auf einer musikalischen Wellenlänge bewegen müssten. Und das sei beim Klavierkonzert mit Evgenia Rubinova auf wunderbare Weise erfüllt.

uhg, Gießener Anzeiger, 06.12.2011

Perlende Läufe, transparenter Klang

 

Ein herrlicher Abend mehr: Nach Paris nahmen die Weltstars Albrecht Mayer und Evgenia Rubinova im Kloster Machern ihre Zuhörer mit. Das Publikum war begeistert.

Quakend ist sie als Entenstimme in Serge Prokofieffs “Peter und der Wolf” durch unser Kinderzimmer gewatschelt. Als wunderschöner Singvogel kommt sie mit Albrecht Mayer zurück. Mayer ist Oboist bei den Berliner Philharmonikern. “Ich liebe mein Instrument”, ist von Mayer überliefert. Wer ihn in Machern hörte, glaubt ihm aufs Wort. An die Mosel war er zusammen mit der Pianistin Evgenia Rubinova gekommen. Mit “Bonjour Paris” und impressionistischer Musik, die zum Teil vom Klavier auf Oboe übertragen war, nahmen die beiden Künstler ihr Publikum mit ins Geburtsland des Instruments, in den französischen “haut bois”. (...)

Auch ohne Pathos vermag [A.M.] Wehmut und Ernst zu vermitteln, so wie in Francis Poulencs Sonate für Oboe und Klavier op. 1 85, die dem toten Freund Serge Prokofieff gewidmet ist. Zum Appell an das Leben wurde das Scherzo darin. Mit Evgenia Rubinova hatte der Oboist eine ausgesprochen feinsinnige, dialogfähige Begleiterin. Die Pianistin aus Frankfurt war die eigentliche Überraschung des Abends. Als delikate, Laute malende Poetin musizierte sie in Claude Debussys “Estampes”. Herrlich sind ihre perlenden Läufe, der transparente Klang ihres Spiels.

Mag auch das Werk noch so zu pianistischer Artistik reizen – wie hier Maurice Ravels “Alborado del gracioso”: Rubinova bleibt Herrin ihrer selbst. Auch im rasantesten Spiel verfällt sie keinen Augenblick selbstverliebter Virtuosität.

Eva-Maria Reuther, Trierischer Volksfreund, 19.09.2011

Im beschließenden Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60 von Johannes Brahms harmonierten interpretatorischer Zugriff und Gehalt perfekt. Hier erwies sich die ins Extreme zielende Auffächerung des klanglichen Spektrums gar als unabdingbar, um die schmerzgetränkten Seelenabgründe auszumessen. Passend zu dieser fulminanten Interpretation erklang als Zugabe das Andante cantabile aus dem Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann (...)

Benedikt Stegemann, FAZ, 16.09.2011

Die zur Entgrenzung drängende Persönlichkeit Sitkovetskys und die beherrschte Leidenschaft von Maintz bildeten im anschließenden Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy einen faszinierenden Kontast, den Rubinova am Flügel überlegen aufnahm. Die Pianistin kultivierte über weite Strecken eine direkte, eindringliche Tonsprache, um sodann mit federleichtem Handgelenk und flinken Samtfingern in Sphären funkelnder Enthobenheit zu wechseln.

Benedikt Stegemann, FAZ, 14.09.2011

Die Pianistin Evgenia Rubinova hat vier Streicherkollegen um sich geschart und erarbeitete mit ihnen die Werke von Schumann, Brahms, Franck und Schostakowitsch. In zwei Konzerten schloss sich der Kreis mit der ersten (Schumann) und der letzten (Schostakowitsch) bedeutenden Komposition dieses Genres. Der Auftaktabend am Donnerstag war fulminant: Das Publikum ließ sich von Schumanns Es-Dur-Opus und Brahms’ f-Moll-Quintett zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Alle Musiker sind auf dem Weg zur internationalen Spitzenklasse oder bereits dort angekommen. Evgenia Rubinova (…) steuert von ihrem Hauptwohnsitz Frankfurt aus ihre Karriere. Auch die vier Streicher sind in der Welt mit hochkarätigen Engagements präsent: die Geiger Alexander Sitkovetsky und Erik Schumann, die Bratschistin Peijun Xu und Cellist Gabriel Adriano Schwabe. (…)

Schumanns Quintett in Es-Dur wird zwar oft zu Unrecht als verdecktes Klavierkonzert mit kleiner Orchesterbegleitung apostrophiert, doch sind hier die kammermusikalischen Qualitäten in allen Instrumenten in einer wunderbaren poetischen Gesamtanlage verzahnt. Fast mit rhapsodischer Freiheit setzten die fünf die mächtigen Intervallsprünge des einleitenden Allegro in Szene. Mit klanglich herber Akzentuierung schritt man in den trauermarschartigen zweiten Satz – ein kontrastreich-fahleres Klangbild wäre denkbar gewesen. Doch das jäh hervorschießende Intermezzo mit seinen furios ausgeschleuderten musikalischen Irrlichtern initiierte endgültig ein mitreißendes Schumann-Erlebnis. Die Wogen der Scherzos mit den teils tänzerischen, teils süß verlockenden Trio-Mittelteilen führten in ein toll gesteigertes Finale. Es türmte die Themen des ersten Satzes in einerfugierten Schlussapotheose auf: glühende Romantik-Magie.

Sinfonische Dimensionen breitet Brahms’ f-Moll-Quintett aus. Still dämmernde Poesie-Nischen im ersten Satz kontrastierten mit kraftvollen, vom Klavier getriebenen Ausbrüchen. Eine elegisch-traute, volksliedhafte Dorflinden- Atmosphäre wurde im Andante gezaubert. Im Scherzo setzten die federnden Pizzicati des Cellos eine ekstatisch sich aufbäumende Kraftwelle in Gang, ein Feuerwerk an ineinandergreifenden Teilen in punktierten Rhythmen. Im Finale entfesselte das Quintett atemberaubend Brahms’ Szenerie zwischen nahezu stillstehendem Innehalten, Echo-Lauschen und stürmisch gebündelter, tänzerischer Klangpracht. Das jubelnde Publikum wurde mit dem elektrisierenden Reiz des wiederholten Scherzos belohnt.

Manfred Engelhardt, Augsburger Allgemeine, 15.07.2011

Glitzernd, flirrend, frenetisch

 

(…) Von solcher magischer Naturbeschwörung war in Sergej Prokofjews drittem Klavierkonzert freilich nichts mehr zu spüren. Bollon, den Philharmonikern und nicht zuletzt der russischen Solistin Evgenia Rubinova gelang eine energische, unmittelbar packende Darbietung dieses allzu oft als neoklassizistisch, als “hell” und “klar” bezeichneten Konzerts. Unter dem Zugriff von Rubinova und Bollon aber sind die Abgründe, über denen die lichte, mit Witz gewürzte Architektur dieser Musik errichtet ist, jederzeit hörbar: im wild stampfenden Furor, der in immer wieder packender Gemeinsamkeit entfacht wird; in den beharrlich durchgehaltenen, typisch prokofjewschen motorischen Monotonien, in denen sich verborgene Trauer und Ausweglosigkeit spiegelt; in den fast quälend in die Länge gezogenen Dehnungen der Terzenketten, die aus der Höhe hinab in die Tiefe perlen und die Schluchten unter ihnen eher freilegen als überdecken.

Dass Evgenia Rubinova, diese junge, bemerkenswert ernsthafte Künstlerin, selbst die lyrisch-larmoyanten Partien dieses Konzerts gänzlich ungezärtelt begriff, Prokofjews Witz eher grimmig interpretierte und die virtuosen Passagen nicht mit äußerem Glanz, sondern mit Vehemenz anging, trug wesentlich zum großen Eindruck bei. Ohne Kompromisse einzugehen, ohne die Oberfläche dieser Musik zu glätten, wurde da musiziert, mit nicht nachlassender Kraft, hautnah, eindringlich.

Raffael Rennicke, Südwest Presse, 29.06.2011

Zum Abschluss noch einmal ganz verzaubert – Funkelnde Brillianz bei Prokofjew

 

Dass bei all dem Naturweben nichts verzärtelte, war aber auch das Verdienst der jungen Pianistin Evgenia Rubinova. In Sergej Prokofjews drittem Klavierkonzert entfacht sie einen atemberaubenden Tastentanz, in dem hocherhitzte Energetik und kühl kalkulierte Präzision wundersam ineinandergreifen. Auch bei Prokofjew gibt es diese mystischen Momente, die aus einer magischen Stille heraufsteigen. Mitten im erregt kreiselnden Schlusssatz etwa findet man sich plötzlich wie ins Auge des Sturms versetzt. Und aus der trügerischen Ruhe dieses Augenblicks heraus leuchten grelle Klaviermotive wie Scheinwerferkegel in eine bedrohlich verstummte Szenerie.

Die aus Russland stammende Pianistin spendet diesen Momenten eine knisternde Spannung – die sich dann in virtuosen Kaskaden voll sprühender Energie entlädt. Bewundernswert, welche Kraft und Präzision die Solistin dabei auf die Tasten bringt. Dabei wirkt nichts aufgesetzt oder mit großer Geste zum Showeffekt aufgemotzt. Nein, aus Rubinovas Spiel spricht Ton für Ton die Lust daran, die rhythmische Energie des Werks und die verspielte Eleganz der Form ganz aus sich heraus sprechen zu lassen.

Die leisen, poetischen Momente bekommen so kristallene Klarheit. Und wenn der Tanz der Finger rasendes Tempo aufnimmt, bringt gerade ihre kühle Überlegtheit das flammende Temperament des Werks zum Vorschein. In den scharf akzentuierten Akkord-Staffetten, im Wirbeln engmaschiger Figuren waltet eine sportiv vorandrängende Nüchternheit, die Prokofjews funkelnde Brillanz bestechend zum Ausdruck bringt.

Ein anrührender Kontrast dazu ist der tiefgründig in sich ruhende Ernst der Sarabande aus Bachs französischer Ouvertüre, die Rubinova als Zugabe spielt. Ein Konzert, das großen Beifall im Saal auslöste und zweifellos Lust machte auf die nächste Saison.

akr, Reutlinger General-Anzeiger, 29.06.2011

Mit dem Oboisten Albrecht Mayer und der Pianisten Evgenia Rubinova waren im Siegburger Stadtmuseum zwei international anerkannte Musiker zu Gast. Einer der Höhepunkte des Abends war Faurés „Pavane“, Mayer und Rubinova gelang hier ein Zusammenspiel von berückender Schönheit.

Paris im Frühling ist ja angeblich immer eine Reise wert. Siegburg aber auch. Besonders, wenn der Berliner Oboist Albrecht Mayer und die in Frankfurt am Main lebende, russische Pianistin Evgenia Rubinova dort ein Konzert geben. Mit „Bonjour Paris“ brachten sie die Klänge der französischen Hauptstadt ins ausverkaufte Stadtmuseum, darunter „Fantasie für Oboe und Klavier“ von Vincent D’Indy. Mit dem komplexen Werk zeigten die Musiker schon zu Beginn des Konzerts, warum sie international von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert werden – Rubinova etwa wurde 2003 beim Klavierwettbewerb in Leeds mit der Silbermedaille ausgezeichnet, Mayer bereits dreimal mit dem ECHO Klassik Preis.

Virtuos erschufen die Musiker ein Klangbild, das alle Stimmungen in sich vereinte. Fließend waren die Übergänge von Melancholie zur Freude, fesselnd der Reigen, den die Klänge tanzten. Auch bei Claude Debussys „Estampes“ für Soloklavier liegt der Reiz im steten Wechsel von Dramatik und Ruhe. Nicht zuletzt hier bewies Rubinova, dass sie eine Poetin am Piano ist: Tief tauchte sie unter die Oberfläche des Werks, ließ unaufrichtige Interpretation und vorgetäuschte Emotionen hinter sich. Voller Freiheitsdrang, voller filigraner Dichte war ihr perlendes Spiel, das zuweilen einer Traumlogik zu folgen schien.

Weitaus handfester ging die Pianistin bei Maurice Ravels „Alborada del gracioso“ zur Sache: So stolz der Charakter des Stücks, so feurig und wagemutig war Rubinovas Interpretation. Einer der Höhepunkte des Abends war Faurés „Pavane“, Mayer und Rubinova gelang hier ein Zusammenspiel von berückender Schönheit. Man merkte: Die beiden Musiker gingen über gängige Lesarten hinaus, übersetzten die Werke vielmehr in ihre eigene musikalische Sprache. Behutsam, und mit einem Gespür für Dramatik, entfalteten sie die Stücke wie Papierblumen, die in den wundersamsten Farben schimmerten. Und dass sie punktgenau einen bewegenden Spannungsbogen aufbauen können, bewiesen Mayer und Rubinova mit der abschließenden Suite „L’Horloge de flore“: Schmeichelnd und verspielt klang hier die Oboe, begleitet vom kraftvoll voranschreitenden Piano, hin zum furiosen, zum atemlosen Höhepunkt. Bleibt nur zu wünschen, dass dies nicht die letzte Kollaboration der beiden ausgezeichneten Musiker war. Der Auftritt von Albrecht Mayer und Evgenia Rubinova war Teil der Konzertreihe Resonanzen 2011.

Christian Leinweber, Kölner Stadt-Anzeiger, 16.06.2011

Wer im Sendesaal dabei war, hörte auch jetzt in den Klavierfassungen ungemein viele Farben. Evgenia Rubinova hat in der Frankfurter Meisterklasse von Lev Natochenny studiert und sich mit zupackendem, orchestralen Spiel einen Namen gemacht, beherrscht aber auch die in den Klaviersoli des Abends wie Debussys „Estampes“ und Maurice Ravels „Alborada Del Gracioso“ häufig gefragten schwebenden Klänge. [zu einem Konzert mit dem Oboisten Albrecht Mayer in der Alten Oper Frankfurt]

Volker Schmidt, Frankfurter Rundschau, 11.05.2011

Manch einer war sicher überrascht, als er die ersten Töne von Schuberts großer A-Dur-Sonate aus dem Jahr 1828 hörte. Evgenia Rubinova zeigte von Anfang an, dass sie sich nicht am oft gepflegten Schubert-Bild orientiert, sondern die Kanten und Brüche dieser späten Komposition sehr deutlich, vielleicht sogar überdeutlich herausstellte. (...) Diese Seite des zerrissenen Komponisten hat Evgenia Rubinova mit ihrer klaren, fast pedallosen Darstellung schmerzlich ins Bewusstsein gehoben.

Die übrigen Stücke des Matineekonzerts stammten aus der Feder des großen Tonmalers Franz Liszt. Im „Vallée d’Obermann“ aus dem ersten Band der „Années de Pélérinage“ erlebt man eine großartige Naturszenerie. Rezitative wechseln mit leidenschaftlichem Gesang, dunklem Nachsinnen und grandioser Steigerung und bieten Pianisten Gelegenheit zur Entfaltung von Virtuosität und emotionalen Kraft. In den Liedtranskriptionen – allein von Schubert hat Liszt 55 Lieder kompositorisch umgestaltet – bleibt der Komponist dem Original treu, schöpft aber die Möglichkeiten seines Instruments mit Tonverdoppelungen, Füllstimmen und Oktavierungen aus. Nicht immer wird dabei die Gefahr des Tastendonners vermieden; so aber nicht bei den sieben Liedern, die Evgenia Rubinova mitgestaltend, nicht nur umspielend vorstellte. Man wird sich noch lange an ihre unterschiedliche Strophengestaltung, an die besondere Dramatik im „Aufenthalt“, an die wunderschönen Echowirkungen im „Ständchen“, vor allem aber an den dramatisch-furiosen „Erlkönig“ erinnern; übrigens ein vom Komponisten am häufigsten selbst gespieltes Stück. Hier zeigte die Pianistin, was ein harter Zugriff ist, der aber trotzdem klar und durchsichtig bleibt.

Volker Puthz, Fuldaer Zeitung, 01.03.2011

(…) hier die aus einer für ihr Alter unglaublichen Ruhe heraus operierende Gestalterin, die mit einer inneren Waage ausgestattet zu sein schien. Auch ihr stehen alle manuellen Sicherheiten zur Verfügung. Doch sie setzt sie nie veräußert ein, nur als Mittel zum Zweck. Wichtiger sind ihr die Zwischentöne, die großen, weitgeatmeten Bögen, der natürliche Strom der Musik. (...)

Gleich zu Beginn (...) die hochromantische, literarische Betrachtung „Vallée d’Obermann“ , Teil sechs des Schweizer Jahres aus den „Années de Pélerinage“. Hier ging sie ganz poetisch ans Werk, ein passionierter Zugriff war ja nur gelegentlich verlangt. Die Feinarbeit lag ihr am Herzen: Sie ging mehr auf die Harmonik ein und sie wurde fündig. Die nötigen Erregungen blieben im Mezzoforte stehen. Die hier einen „ echten“ Liszt vermissten, kamen am Schluss mit der berühmten zweiten „Ungarischen Rhapsodie“ dann ganz auf ihre Kosten. Hier trumpfte Evgenija Rubinova virtuos und freudig auf, doch setzte sie auch hier nicht nur Technik ein, sondern vor allem Klangsinn, Raffinement und Witz. Es war Unterhaltungsmusik im besten Sinne und wurde von den Hörern entsprechend freudig gefeiert.

In der Mitte und vielleicht als eigentlicher Mittelpunkt stand Schubert auf dem Programm.  (...) Die Pianistin schien Schubert besonders zu lieben und eröffnete sein ganzes Universum: Dazu gehörten die filigranen Feinzeichnungen für Phrasierung und Artikulation, kleine Akzente, stakkatierende Bassnoten, Portati. Über alle technischen Erwägungen hinaus ließ sie sich von einem natürlichen Strom tragen, bei dem Spontaneität, Gestaltung, Farbe, Technik, Deklamation und Gefühl wie auf einer Waage in Balance gehalten wurden.

Nach der Pause sieben Transkriptionen Schubertscher Lieder von Liszt, darunter die Liebesbotschaft, das Ständchen oder der Erlkönig. (...) Evgenija Rubinova „ sang“ die Lieder auf dem Klavier, auch hier war das Strömen fühlbar. Sie zeigte, dass es nicht nur einen Schubert gibt und setzte für die andere Sicht der Dinge ihre große, gewachsene, erstaunlich ausgewogene pianistische Persönlichkeit ein.

Wolfgang Teubner, Böblinger Bote, 24.01.2011

Virtuoses Klavierspiel in Perfektion

 

Die Besucher des jüngsten «Groß-Gerauer Abendkonzerts» erlebten im Georg-Büchner-Saal des Landratsamtes einen denkwürdigen Klavierabend. Die im usbekischen Taschkent geborene und in Frankfurt lebende Pianistin Evgenia Rubinova stellte dort ihr aktuelles Programm mit Werken von Franz Schubert und Franz Liszt vor. Für ihre gleichermaßen technisch perfekten wie musikalisch ü̈berzeugenden Interpretationen erntete die Künstlerin wahre Beifallsstürme. Vor über 250 Gästen überzeugte die sympathische Musikerin, vielfach preisgekrönt und weltweit auf den großen Konzertpodien aktiv, vor der Pause sowohl in den innigen Momenten der späten Klaviersonate A-Dur von Franz Schubert als auch in der zerklüfteten und technisch hoch anspruchsvollen Musik von Franz Liszts «Vallée d´Obermann».

(…) Die höchst unterschiedlichen Stücke, schwankend zwischen nahezu notengetreuer Umsetzung der schubertschen Vorlagen bis hin zur freien Umsetzung, fanden in Evgenia Rubinova eine kongeniale Interpretin. Gleiches galt für die abschließende zweite Ungarische Rhapsodie – ein Virtuosenstück, dem die Kü̈nstlerin an pianistischer Vehemenz nichts schuldig blieb. Stehende Ovationen des begeisterten Publikums waren ihr Lohn, die sich noch einmal steigerten, nachdem sich die Künstlerin mit einer Zugabe von Johann Sebastian Bach verabschiedet hatte.

Frankfurter Neue Presse, 22.01.2011

Und in Chopins Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll bereiteten sie ein samtiges Klangkissen, auf das die ehemalige Natochenny-Schülerin Evgenia Rubinova ihre brillant gefassten Tonperlen betten konnte. (zu einem Konzert mit der Deutschen Streicherphilharmonie unter Michael Sanderling in der Alten Oper Frankfurt)

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse, 13.11.2010

Schnell überzeugt die junge Pianistin nicht nur mit ihrer technischen Versiertheit. Mit sensibler musikalischer Vorstellungskraft interpretiert sie Schuberts „Liebesbotschaft“ und „Ständchen“ und lässt einen harmonischen Zauber im Konzertsaal entstehen.Mit erstaunlicher Leichtigkeit spielt sie die von Schubert vertonte Goethe-Ballade „Erlkönig“. Angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades der Oktavgriffe hat der Komponist eigens für sich eine leichtere Fassung geschrieben und die Triolen durch Duolen ersetzt. Rubinova hat sich für die Originalversion entschieden und brillierte in einem furiosen Tempo.

Ihre wohltuende Zurückhaltung gepaart mit einer geballten Virtuosität lässt das Blut in Wallung geraten, als sie die „Ungarische Rhapsodie Nr.2“ von Franz Liszt in Angriff nimmt. So manchen Zuschauer hielt es nicht mehr ruhig auf den Stühlen und beim Ertönen des Schlussakkordes springt nicht nur der Arm der Pianistin in die Höhe. Die ganze Person schnellte von ihrem Klavierstuhl empor.

Im zweiten Teil des Abends durften sich die Zuhörer der puren russischen Klavierromantik hingeben. „6 Moments Musicaux, op.16“ von Sergej Rachmaninoff standen auf dem Programm und erwiesen sich als beeindruckender Höhepunkt. Die sechs kontrastreichen Werke sind ein Frühwerk Rachmaninoffs und lassen den typischen Klang des Komponisten erahnen.

Die persönliche Interpretation der Pianistin, ihre poetische Eleganz und charakteristische Ausformung faszinieren und lassen die Komposition in einem neuen Licht erscheinen. Glänzende perlende Läufe wechseln sich mit temperamentvollen Passagen ab. Leidenschaftlich bewegte Steigerungen sehen sich in melancholische Moll-Tonarten eingebettet. Mit herausragenden Abstufungen im Anschlag, steigert sie ihr Tastenspiel und lässt es in einem explosiven Klangrausch des Maestro-Finales enden.

Für den tosenden Applaus revanchierte sich Evgenia Rubinova mit zwei Stücken von Felix Mendelsohn Bartholdy. Mit ihrer einfühlsamen und leisen Interpretation des „Gondellieds“ ließ sie einen bezaubernden Konzertabend ausklingen.

Karin Burgenmeister, Schwäbische Post, 01.10.2010

Mit einer spielerischen Leichtigkeit und einem Hang zur Poesie präsentierte im Anschluss Evgenia Rubinova Prokofjews Klavierkonzert in C-Dur. Die 1977 in Taschkent geborene und nun in Frankfurt lebende Pianistin durchdrang mit exzellenten Abstufungen im Anschlag das heitere, brilliante Werk und steigerte ihr technisch präzises wie anmutiges Tastenspiel bis zum fulminanten Finale. Stürmischen Applaus erntete die hervorrangende Interpretin (…), bei der Virtuosität, Innerlichkeit wie auch Kraft und Anmut Hand in Hand gehen.

jek, Westdeutsche Zeitung, 02.07.2010

Der russische Komponist hat eine derartige Fülle von Höchstschwierigkeiten in sein vor Energie berstendes Werk eingebaut, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt (…) Man wundert sich nicht, dass Evgenia Rubinova international Karriere macht. [zu Prokofiev Klavierkonzert Nr. 3]

Armin Kaumanns, RP-MG, 02.07.2010

Für Evgenia Rubinova, eine junge in Frankfurt lebende Pianistin, ist das Klavierkonzert ihres Landsmannes eine Herausforderung, die sie mit beeindruckender Leichtigkeit meistert. Das Zusammenspiel mit den Sinfonikern schafft einen Hörgenuss der Spitzenklasse. Das Publikum ist begeistert und erklatscht sich eine Zugabe der Pianistin. Ein Kontrast zum gerade Gehörten: ein Gondellied von Mendelssohn-Bartholdy, ein leises, lyrisches Stück, großartig interpretiert.

Gabriele M. Knoll, Westdeutsche Zeitung, 01.07.2010

Die schon lange in Deutschland lebende bildhübsche Russin, die auf ehrenvolle Preise und ein bereits internationales Renommee verweisen kann, zeigte sich als eine bemerkenswerte Klavierzauberin. Ihre Technik ist von faszinierender Eleganz, selbst kräfteraubende Passagen bewältigt sie trotz der durchaus vorhandenden Klagintensität mit scheinbarer Leichtigkeit. Traumwandlerisch sicher und dank der lupenreinen Koordination des Dirigenten genauestens mit dem Orchester im Einklang, meisterte Rubinova die zuweilen verwirrenden Stimmungskontraste der hoch virtousen, 1921 uraufgeführten Komposition mit Elan und doch voller Einführungsvermögen. Dem Jubel von Publikum und Orchester entsprach die Pianistin mit einer poetisch zelebrierten Zugabe.

Heide Oehmen, Rheinische Post, 01.07.2010

Mit ungemein flexiblem Anschlag, differenzierter Agogik, dabei ohne jeden Anflug von Manierismus, stellte sie Chopins Frühwerk hin, sorgsam begleitet von Spivakov und seiner Russischen Nationalphilharmonie.

Alfred Beaujean, Aachener Nachrichten, 10.03.2010

(…) spielte (…) Jewgenia Rubinowa den Solopart differenziert, sachlich, handwerklich makellos und mit werkdienlichen, nie überzogenen Rubati, die auch für das Orchester stets kalkulierbar blieben. Rubinowas Spiel war daher von hohem Reiz und auch in den formalen Konstruktionen wohlproportioniert.

(Zu Chopin Klavierkonzert e-Moll mit Spivakov und der Russischen Nationalphilharmonie)

Harald Budweg, FAZ, 09.03.2010

Bei eher spätromantisch-voluminös angelegter Orchesterbegleitung erwies sich Evgenia Rubinova als betont durchsetzungsfähig. Ihr Anschlag ist hart, konturiert, ihr Spiel linear, nie zu vibratogesättigt und somit kalkulierbar – nicht ganz unwichtig für das Orchester, das sich kurzfristig auf die Solistin einzustellen hatte. Anders als Martin Stadtfeld, der sich durch seine eher unorthodoxen, subjektiv getönten Bach-Interpretationen einen Namen gemacht hat, spielte Evgenia Rubinova betont textnah, werkdienlich und doch nie interpretatorisch neutral. Gerade der gesangliche langsame Satz hatte die treffende unprätentiöse Natürlichkeit, das Finale war mit Esprit und pointiert gespielt, ohne dass die vor allem sorgfältig begleitende Russische Nationalphilharmonie diese Einladung zum konzertanten Wettstreit wirklich angenommen hätte.

Axel Zibulski, Wiesbadener Tagblatt, 09.03.2010

Musikalische Schwerathletik steht ohnehin nicht im Zentrum von Evgenia Rubinovas Kunst, wenn sie auch in der Solokadenz des Kopfsatzes und gegen Ende des Finales beachtliches Tastengewitter vernehmen ließ. Ihre Qualitäten liegen anderswo: in der Beweglichkeit und Eleganz des Spiels, in der Fähigkeit, den Klavierklang durch Nuancierungen auf kleinstem Raum funkeln und schillern zu lassen.

Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung, 08.03.2010

Trio Rubinowa – Eberle – Sanderling (…) Sein “Trio élégiaque g-Moll op. 9 komponierte Serge Rachmaninow anlässlich des Todes von Peter Tschaikowsky im Oktober 1893. Bewegend realisierten die Musiker den tragischen Grundton Komposition, “elegischer” hätte man sich die Wiedergabe wohl kaum vorstellen. (…) scheint sich die Trauer in Schostakowitschs e-Moll-Trio op. 67 geradezu in einem musikalischen Aufschrei zu laden (…) Man erlebte eine Wiedergabe von profounder, ergreifender Tiefe des Ausdrucks, namentlich im Largo, das den Hörer in ein Stück komponierter Ewigkeit, klanggewordenen Jenseits eintauchen ließ.

Joachim Wormsbächer, FAZ, 27.02.2010

Rubinova griff bei dem Konzert zurück auf Skrjabins selten zu hörende Fantasie h-Moll mit ihrem unaufhaltsamen Strömen oder auf das formal klar abgegrenzte Sextett der Moments musicaux Rachmaninows mit ihren charakteristisch geschärften Konturen und den vorteilhaft plazierten dynamischen Höhepunkten anstelle eines Dauer-Fortissimo. Das ambitionierte, alle Beteiligten entschieden fordernde Programm hatte im Chopin-Auftakt nach zwei plastisch gestalteten Nocturnes die b-Moll-Sonate als Kernpunkt. Zwingend die Entfaltung des rhythmisch markanten Hauptthemas im Kopfsatz, sie führte zu einer hinreißenden Steigerung der Coda. Nach dem Scherzo-Wirbel gewann der Trauermarsch mit seinen deutlichen dynamischen Flächen und dem unbarmherzigen Rhythmus eigene Kontur, strukturierende Glanzlichter funkelten im Presto, das sonst oft in einem Triolen-Strudel untergeht. (…) Und einen weiteren Aspekt bot dieser umjubelte Abend: Für die meisten Pianisten ist das reiche Repertoire des 19. Jahrhunderts Inbegriff pianistischer Selbstverwirklichung, sie überlassen Älteres wie auch Zeitgenössisches gern den Spezialisten. In der Zusammenarbeit mit dem in Berlin lebenden Komponisten Christian Jost bietet sich der Künstlerin eine entschiedene Bereicherung ihres pianistischen Profils, wie das technisch wie musikalisch herausfordernde “Konzertstück III” – die Neufassung des Einsätzers von 1989 erlebte an diesem Abend seine Uraufführung – bewies. (…) Charakteristisch für die Arbeitsweise der Künstlerin ist ihre aussagestarke Analyse des Werks, die sie dem Programmheft beifügte. Rubinova speiste das Publikum bei den Zugaben durchaus nicht mit Miniaturen ab, sondern zog mit Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 nochmals alle Register pointierter Gestaltung auf der Basis souveräner Technik, die keine Grenzen zu kennen scheint. Ihre Eigenwilligkeit blitzte abermals auf, als bei Mendelssohns “Lied ohne Worte” das Spinnrad unvermutet stockt. Bachs Sarabande war es vorbehalten, den beruhigenden Schlusspunkt zu setzen.

Gerhard Schroth, FAZ, 20.01.2010

Damit hätte Rubinova ja geschafft, was sie sich künstlerisch vorgenommen hatte: für das “Klischee vom russischen Bären am Klavier” ein Gegenmodell anbieten zu können. Der Bär hat ausgedient. Evgenia Rubinova macht die Russen zu Delfinen.

Stefan Schickhaus, Frankfurter Neue Rundschau, 16.01.2010

Sergej Rachmaninows einzige Cello-Sonate, ein Vulkanausbruch nach längerer Schaffenskriese, verführt auch heute noch manche Künstler zu schwelgerischem Übermaß. Michael Sanderling und Evgenia Rubinova dagegen verständigten sich auf ein entschlackendes Raffinement der Farben, das den dynamischen Spielraum dennoch ausreizte und das Musizierfeuer nicht im Geringsten beeinträchtigte. Schon in den beiden Duo-Sonaten fiel die Übereinstimmung verschiedenartiger Künstlerpersönlichkeiten auf.

Ellen Kohlhaas, FAZ, 02.12.2009

Zunächst erlebte man jeweils zwei dieser drei Musiker auf der Bühne. Veronika Eberle tat sich mit Evgenia Rubinova, ehedem Meisterschülerin von Lev Natochenny, zusammen, um Janáceks anspruchsvoll-verschmitzte Violinsonate vorzustellen. Dies gelang den beiden Frauen vorzüglich: Nicht nur in der gefühlsbewegten Ballade und im zupackenden Scherzo bewährten sich der klare Anschlag der Pianistin und der feine, sehr präsente Ton der Geigerin. Es sollte ein östlich geprägter, romantischer Kammermusik-Abend werden. Hier gehörte auch Rachmaninows Cellosonate her, die der Cellist Michael Sanderling gemeinsam mit der Pianistin auf das Programm gesetzt hatte. Dabei zeigte sich wieder das große Einfühlungsvermögen Rubinovas, die bei allen virtuosen Fähigkeiten niemals in den Mittelpunkt drängt. Insoweit war auch Sanderlings klares, akzentuiertes Spiel jederzeit präsent. Man durfte also gespannt darauf sein, wie die drei Künstler nach der Pause gemeinsam Tschaikowskys umfangreiches Trio a-Moll bewältigen würden. Es wurde eine pralle Dreiviertelstunde, in der Rubinova, Eberle und Sanderling besonders im Variationensatz über sich hinauswuchsen. Das schluchzende Thema, vom Cello so eindringlich vorgestellt, blieb dem Zuhörer noch lange im Ohr.

Ge, Frankfurter Neue Presse, 30.11.2009

Gastprofessor Michael Sanderling (Violoncello) und die aus Taschkent stammende, renommierte Pianistin Evgenia Rubinova stürzten sich gerade zu mit Feuereifer in Mendelssohns Sonate D-Dur op. 58. Ungestüm ging das Duo zu Werke, schenkte diesem über weite Strecken schöne klangliche wie virtuose Nuancen. In den solistischen Passagen glänzte jeder für sich; gemeinsam suchte man mit aufmerksamem Gespür für den Reiz des Augenblicks zu bester Abstimmung zu gelangen. Obwohl das Figurationswerk des Finalsatzes dem Cello kleine Stolpersteine in den Weg legte, erlebte der Fürstensaal eine bemerkenswert spritzige Aufführung.

Ursula Mielke, Thüringer Allgemeine, 19.07.2009

Auffallend gefasst und schlicht ist das Auftreten der russischen Pianistin Evgenia Rubinova. Was die jugendliche und sympathische Künstlerin, die sich bereits die bedeutendsten Podien der Welt erobert hat, jetzt in einem Bruchsaler Schlosskonzert unter Beweis stellte, lässt eine große Karriere vermuten. Rubinova begann im gut besuchten Konzertsaal mit Robert Schumanns op. 16, der „Kreisleriana”, acht balladesken Fantasiestücken, die der damals junge Komponist in heftigen Gemütserregungen als Ausdruck seiner verzweifelten Liebessehnsucht zu Clara Wieck niederschrieb. Die Interpretin spielte das „Äußerst bewegt” mit Vehemenz, um im folgenden „Sehr innig und nicht zu rasch” die gleiche innere Spannung zu halten. Nach den lebhaften „Intermezzi”, in denen die melancholischen Linien profiliert hervortraten, erwies sich „Sehr aufgeregt” als wahrhaft aufgewühlt. Tiefe Eindringlichkeit erreichte die Künstlerin mit ihrer Gestaltung des Satzes „Sehr langsam”. Auch in den folgenden Sätzen war ihr Spiel kontrastreich und sowohl mit technischer Souveränität, als auch mit tiefer Empfindung und verinnerlichter Schlichtheit ausgestattet. Sie stellte damit größtes Verständnis für Schumanns Musik unter Beweis. Schlugen ihr danach bereits Wellen der Begeisterung entgegen, so erst recht nach Alexander Skrjabins, des Mystikers unter den Klavierkomponisten, „Fantasie” h-Moll op. 28. In ihrer Wiedergabe paarten sich kontrollierte Leidenschaftlichkeit und spannungsgeladenes Drängen mit geradezu beseeligender Erlösung. Für den zweiten Programmteil hatte Evgenia Rubinova die „Sieben Fantasien” op. 116 von Johannes Brahms gewählt, die zu den letzten Kompositionen des Spätromantikers zählen: Die Klavierdichtungen bestehen aus drei teils von Unmut geprägten, schnellen Capricci, denen vier elegische, träumerische Intermezzi in langsamem Zeitmaß gegenüber stehen. Diszipliniertes blutvolles Spiel wechselte hier mit herrlich weich und warm ausgeführten, weiten Melodiebögen. Besondere Intensität und anrührende Schönheit war in den Intermezzi a-Moll und E-Dur zu spüren. Mit dem rasant endenden Capriccio d-Moll erspielte sich Evgenia Rubinova begeisterten Schlussapplaus. Eine „Ungarische Rhapsodie” von Franz Liszt als Zugabe erwirkte Standing Ovations, die mit einem Mendelssohn'schen „Lied ohne Worte” besänftigt wurden.

Christiane Voigt, Badische Neueste Nachrichten, 07.07.2009

Im Klavierkonzert a-Moll op. 7 der schon erwähnten Clara Schumann (1819-1896) brillierte anschließend die junge Pianistin Evgenia Rubinova. Selbst die schwierigsten Passagen meisterte sie mit großer Leichtigkeit, überzeugte im Solo ebenso wie im wunderschönen Zusammenspiel mit dem Cello. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson dirigierte das aufmerksame Orchester souverän und mit viel Kontakt zur Solistin, die vom Flensburger Publikum frenetisch gefeiert wurde und die Bühne erst nach einer Zugabe verlassen durfte. Von dieser Künstlerin wird man sicher noch viel hören.

Lars Geerdes, Flensburg Avis, 05.12.2008

Und an Rubinovas aufregendem Spiel begeisterten erwartungsgemäß gemeißelte Engerie und klirrende Oktavenvirtuosität, vor allem aber die spielerische Leichtigkeit und eleganz, mit der sie souverän über dem Klanggetöse schwebte.

Claus Lamey, Augsburger Allgemeine, 25.06.2008

Der Lichthof zeigte sich bei dem sinfonischen Saisonfinale gut gefüllt. Erfreulich, dass auch erstaunlich viel junge Leute den Weg zur Klassikbegegnung fanden. Waren es die russischen Traditionsnamen Rachmaninow und Tschaikowsky oder war es die schon international bekannte Solistin Evgenia Rubinova, die einen Impuls für das abendliche Interesse gaben? Die in Frankfurt lebende Pianistin (…) war die kompetente Interpretin von Sergej Rachmaninows flitzernd-poetischem Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll. Sie setzt Effekte (im Finale), spielt mit dem Orchester Doppelpass, verharrt innig im lyrischen Adagio-Satz, nimmt ihm jede romantizistische Nähe. Alles klingt natürlich, schön, als Balance zwischen Form, Ausdruck und Emotion. Eine nahezu perfekte Wiedergabe! Den Namen Evgenia Rubinova sollte man sich merken!

HJL, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 20.05.2008

Evgenia Rubinova “seziert“ Chopins Klaviersonate (…). Die vom Komponisten raffiniert versteckten Nahtstellen der Sätze traten dabei mit verblüffender Selbstverständlichkeit ans Licht (…). Im geisterhaften Marche funèbre kostete sie die zweimal in die Irre führenden Ansätze zum leichtgewichtigen Mittelteil genüsslich aus. (…) Obwohl der Beifall nicht nachlassen wollte – nach zwei kurzen Zugaben (Chopin-Prélude, Brahms-Capriccio) war Schluss. Evgenia Rubinova lässt sich nicht gerne drängen, Qualität hat ihren Ort und ihre Zeit.

Christian Hoesch, Frankfurter Allgemeine Rhein-Main-Zeitung, 04.04.2008

Beschwingtheit, die meisterlich anschloss an die getragene Tiefe des Cellos. Der besondere Höhepunkt des Konzerts galt der Uraufführung des zeitgenössischen Stückes „Der Junge und die Blume“ als Ballettstück für Violoncello und Klavier des jungen Komponisten Mathias Hinke (* 1973) . ‚Das Stück erzählt ein wunderschönes naives mexikanisches Märchen‘, griff Gerhardt den Inhalt auf, der sich um das Schicksal einer schönen, wenngleich einsamen Blume und ihrer Freundschaft zu einem Jungen rankt. Die gemeinsam bezwungenen Abenteuer des ungleichen Paares fanden in der betörend schönen Musik Hinkes und der virtuosen Spielweise von Gerhardt und Rubinova eine grandiose musikalische Aufnahme.

Iris Zumbusch, Rhein-Sieg-Anzeiger, 26.02.2008

’Der Ton macht die Musik’ lautet ein Sprichwort, was soviel bedeutet wie: der Ton ist an der Musik das Wesentliche. Das trifft zumindestens auch auf das Spiel des Cellisten Alban Gerhardt zu, der (…) zusammen mit der Pianistin Evgenia Rubinova im Ahnensaal der Burg Kniphausen ein faszinierendes Konzert gab. (…) Der 1. Satz der Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll von Beethoven erinnerte an eine vorzüglich gesungene Tenorarie, das Allegro molto strotzte vor Eleganz, das alles fein abgestimmt mit Evgenia Rubinova, die den Klavierpart energisch vorantrieb. Reich an Melodien ist ‚Der Junge und die Blume’, ein (Märchen-)Ballett für Violoncello und Klavier von Mathias Hinke aus dem Jahr 2007, das (…) von Gerhardt und Rubinova uraufgeführt wurde. Ein Werk, das allen Klischees von Modernität widerspricht (…). Bei der Sonate A-Dur von Cesar Franck (…) zog das Duo alle Register intensiv-expressiven Musizierens. (…) Ein Ereignis, das so schnell nicht vergessen wird.

Norbert Czyz, Wilhelmshavener Zeitung, 25.02.2008

In Beethovens Sonate g-Moll op. 5/2 beeindruckte die „Pianistin Evgenia Rubinova (…) mit einer sehr klaren Spielweise, die keine Härten zeigte, wo kräftiger Anschlag gefordert war, und nicht verwaschen wirkte, wo sie weich sein sollte. (…) In der Mitte stand eine Quasi-Uraufführung: ein Ballett für Violoncello und Klavier nach einem mexikanischen Indianermärchen von Mathias Hinke. (…) Das letzte Stück im Programm brachte (…) die A-Dur-Sonate von Franck (…). Durch Oktavierung ist sie auch auf dem Cello zu spielen. Dabei kommen die expressiven Momente des Werkes vielleicht sogar noch intensiver zur Wirkung. Und der Klavierton in originaler Höhe, von Rubinova wunderbar durchsichtig auch in den kompakten Passagen gespielt, schwebte spürbar handbreit über den satten Cellofarben – wunderbar. Als Zugabe gab es den langsamen Satz aus der Rachmaninow-Sonate, die man nach dieser Kostprobe gern einmal ganz hören möchte – und, wo möglich, von diesen beiden Künstlern.

Loh, Westfälische Rundschau, 25.02.2008

Diese Kammermusik lebte von ihrer Durchsichtigkeit, von ihrer klaren Konzeption und dem schönen Spiel. (…) In der gut besuchten Stadthalle [in Betzdorf-Kirchen] war tatsächlich, wie im Programm angekündigt, ‘Kammermusik in Perfektion‘ zu hören. (…) Beethovens Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll op. 5 Nr. 2 bestach durch sehr ruhige Dialoge zwischen den beiden Instrumenten mit dem klar definierten Ton, durch spannungsgeladene Pausen und das temperamentvolle Ringen um die Gestaltung der energievollen Tonfülle und der Emotionen, die beherrscht werden wollen. Zarte, fast liebliche Passagen folgen, die in Schwung und Klangfülle münden und sich zu einem fulminnanten Schluss steigern. Der Mexikaner Mathias Hinke hat im Jahr 2007 ein Ballett für Violoncello und Klavier geschrieben, mit dem Titel ‚Der Junge und die Blume‘. (…) Die in traditioneller Tonsprache geschriebene, sehr narrative Musik ist unmittelbar zugänglich und fasziniert durch ihre Frische, die epische Beschreibung und ihre onomatopoetische Darstellung (…). Am Schluss stand César Francks Sonate für Violoncello und Klavier A-Dur (…). Die beiden Musiker entfalteten ein expressives Tongemälde, das Bewegtheit und elegisches Versinken in der Tonfülle, Aufgewühltheit und Nachdenklichkeit, energisches Zupacken und befreite Weite, Verträumtheit und Heiterkeit vereinte, sie aufeinander bezog und in einen affirmativen, hoffnungsvollen Schluss münden ließ. Das begeisterte Publikum ließ die beiden Musiker nicht ohne eine Zugabe ziehen: Mit dem langsamen Satz aus Rachmaninows Sonate für Violoncello und Klavier beschlossen sie den schönen Abend sehr passend mit einem schwermütig-nachdenklichen, in sich ruhenden Stück. – Zum Wiederhören!

gmz, Siegener Zeitung, 25.02.2008

Schon in Frédéric Chopins Sonate Nr. 2 in b-Moll stellte Rubinova ihr Talent, verschiedene Stimmungen im jähen Wechsel ohne Bruch darzustellen, unter Beweis (…). Nach dem rasanten Scherzo, dessen Chromatik Rubinova traumwandlerisch beherrschte, war es der Marche funèbre, der ihre Interpretation ausmachte, gibt es doch im Klavierwerk Chopins nur wenige Sätze, die so beklommen anmuten wie dieser: Rubinova griff die Idee auf und interpretierte den Totentanz mit seinen weitgriffigen Akkord- und Oktavsprüngen fahl und düster. Fast unwirklich und schemenhaft nahm Rubinova die in Klang gegossene Dunkelheit auf und erinnerte mit der Basslinie an Grabgeläut. (…) Rubinova (…) erntete Beifallsstürme.

Jan-Geert Wolff, Allgemeine Zeitung Mainz, 28.01.2008

Drei Komponisten, drei Werke, ein Klavierabend: Das Programm ist schnell gelesen. Aber die Wirkung nachhaltig. Denn Evgenia Rubinova versteht ihr Handwerk. (…) Schon von Frédéric Chopin hatte sie ausgerechnet die zweite Klaviersonate ausgewählt. Das war ausgesprochen raffiniert, denn zumindest die Marcia funèbre daraus kennt jeder. Und zugleich war diese Sonate im Frankfurter Hof, wo Rubinova sie in all ihren Kontrasten sehr schön ausleuchtete und gerade den Trauermarsch zu einem richtiggehenden Mysterium machte, zugleich war diese Sonate gerade in ihrer Ausdrucksvielfalt eine wunderbare Überleitung und Vorbereitung für den nächsten Programmpunkt. Denn Alexander Skrjabins Fantasie h-Moll zählt ganz bestimmt nicht zu den meistgespielten Stücken. Und die ungeheuerliche Dichte des unablässigen Flusses an Ideen und harmonischen Gedanken machen es weder dem Interpreten noch dem Publikum besonders leicht. Doch da konnte Evgenia Rubinova helfen: locker und leicht wie eine Parfümwolke entfloh die Fantasie ihren gefühlvollen Fingern. Nahezu schwerelos sank diese Musik ins Ohr und Hirn, breitete sich aus und füllte jeden Winkel des Denkens und Fühlens aus. Gerade die fragile, immer wieder gefährdete Zusammensetzung der Klangwelt Skrjabins vermochte Rubinova ganz reizend auszukosten (…). Die komplette Hexalogie der Moments musicaux von Sergej Rachmaninow schließlich war ebenfalls nur allzu selten komplett zu hören. Schwärmerisch in diese Klangwelt bohrend, wandte die Pianistin diese Preziosen immer wieder ins Offene und Unbestimmte: Nur der unmittelbare Augenblick zählte hier, eine fortwährende Kette von einprägsamen Eindrücken entstand damit – es waren Momente der Erfüllung und des reinen, unverfälschten Genusses.

Matthias Mader, Rhein-Zeitung, 28.01.2008

Eine Pianistin als Orchester

 

Böblingen – Die junge Pianistin Evgenia Rubinova braucht kein Orchester, sie ist selber eins: Phantasievoll bringt sie den Flügel zum Klingen. In Böblingen faszinierte sie durch eine Fülle an Farben und ausgeprägten Klangsinn. Sie spielt nicht einfach Klavier, sondern taucht in Klangwelten ein. Nur selten klebt ihr Blick auf der Tastatur.

Fulminant eröffnete sie am Freitag das 10. Internationale Pianistenfestival in Böblingen. Mit ihrem Programm hatte sie es sich nicht einfach gemacht. Sie hatte drei Komponisten gewählt, die die Klaviertechnik revolutionierten: Bach, Chopin, Rachmaninow. Alle drei haben die Welt des Klavierspiels bereichert. Das 100minütige Programm bewältigte die junge Dame aus Frankfurt ohne Patzer.

Kulturamtsleiter Peter Conzelmann strahlte: „Wir sind ausverkauft. Das Jahr fängt gut an.“ Einen solchen Ansturm gab es noch nie. Mit diesem Abend erlebte das kleine Festival seinen Durchbruch.

Im Mittelpunkt des Recitals stand Chopins stolze, selbstgewisse h-moll-Sonate aus dem Jahr 1844. Der kränkliche Chopin war ein König im Reich der Musik. Der große Spötter Heinrich Heine schwärmte: „Er ist nicht bloß Virtuose, er ist auch Poet.“ Rubinova ist mehr als nur Virtuosin, auf ihrem Instrument kann sie auch singen.

Kontrastreich fiel ihre Deutung der Chopin-Sonate aus, gespenstisch das vorüberhuschende Scherzo, behutsam der langsame Satz, sie musizierte eher lyrisch als wuchtig. Die Oberstimmen ließ sie entspannt singen. Klug legte sie das wilde Finale an.

Klug auch der Einstieg: Bachs sechste Partita wurde am Anfang des Abends im Württemberg-Saal konzentriert geboten. Die expressive Harmonik kam überzeugend zur Geltung. Die Linien wurden sorgfältig differenziert, der Klang war eher direkt als verschattet. Die Vehemenz eines Gould oder Gulda nahm die junge Dame nicht zum Vorbild.

Alle Musik ist nur ein Moment. Schubert hat „Moments musicaux“ geschaffen, der Starpianist Rachmaninow auch. Dessen sechs „Moments“ hört man nur ganz selten im Konzertsaal. Sie setzten Chopins Stil kreativ und eigenständig fort und sind wie geschaffen für eine Künstlerin vom Kaliber Evgenia Rubinovas. Sie befreit diese Musik vom Ruch des Oberflächlichen. Virtuosität und Innerlichkeit, Kraft und Anmut gehen eine bezwingende Verbindung ein. Für diese Zaubermusik braucht der Interpret eigentlich eine dritte Hand. Das dritte „Moment“ wirkt herbstlich, jedes Stück hat seinen eigenen Charakter. Rubinova verlor nicht den Überblick und gestaltete souverän. Am Ende wurde die gebürtige Russin mit deutschem Pass vom Publikum gefeiert. Zwei reizvolle Zugaben. Anschließend signierte die couragierte junge Dame, gar nicht außer Atem, ihre bei EMI erschienene CD. Der Abend an sich war aber unwiederholbar.

Jan Renz, Böblinger Kreiszeitung, 14.01.2008

Wer Evgenia Rubinovas Konzert hört, weiß spätestens nach dessen Ende, warum der Andrang so groß ist. Die in Taschkent geborene Pianistin spielt Werke von Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin und Sergej Rachmaninow – musikalisch gesehen drei völlig unterschiedliche Welten, die die zierliche Dreißigjährige jedoch mit einer Wahrhaftigkeit und Stimmigkeit gestaltet, die ihresgleichen suchen. Kein Ton ist belanglos, das akustische Erscheinungsbild bei aller Differenziertheit stets geschlossen. Bachs Partita Nr. 6 in e-Moll macht den Anfang. Metallisch hart formt Rubinova die Töne, abgerundet mit sparsam eingesetztem Pedal. Das Ergebnis ist ein Klangbild von transparenter Brillanz, das zugleich voluminöser und weicher ist als Interpretationen auf dem Cembalo. Mühelos lassen sich bei der Toccata die Stimmen innerhalb des polyfonen Gewebes verfolgen, sie schimmern hervor wie Perlenschnüre in einem Stoffgeflecht. Ausdrucksstark, fast lyrisch, schmeichelt die Allemanda dem Ohr, wenngleich dies Worte sind, die einem bei Bach sonst nicht unbedingt als erste einfallen. Erzählerische Qualitäten treten in der Corrente zutage, kraftvoll und gewichtig formt die Pianistin die Air. Tragisch und voller Schmerz legt sie die Sarabande an, leicht und flink das Tempo di Gavotta. Zielstrebig und substanzreich schließt sie mit der Gigue. Fazit: Bach, wie man ihn noch nicht oft gehört hat – aber unbedingt wieder hören möchte. (…) Donnernder Applaus, Zugaben. Und Bedauern, dass dieses wunderbare Konzert zu Ende ist.

Gabriele Müller, Stuttgarter Zeitung/Leonsberger Kreiszeitung, 14.01.2008

Die Jubiläums-Saison des Gürzenich-Orchesters setzte sich großartig fort mit einem Romantik-gesättigten Programm, die den jungen amerikanischen Dirigenten John Axelrod erstmals in die Kölner Philharmonie führte. Auch die blutjunge russische Pianistin Evgenia Rubinova war erstmals auf deren Podium zu hören, und mit dem b-moll-Konzert von Tschaikowsky hatten sie ein Werk ausgesucht, das dazu angetan schien, die Herzen der Konzertbesucher zu erobern. Dies geschah denn auch, boten Solistin und das mit leichter, aber vollkommen sicherer Hand geführte Orchester doch eine wahre Glanzleistung, leuchteten die Farben, kamen die zum Teil ja gewaltigen Steigerungen wunderbar heraus. Der anspruchsvolle Solopart, der viel “Virtuosenfutter”, aber auch manch Nachdenkliches enthält, fand in Rubinova eine Meisterin eleganter Phrasierung und absolut sicheren Zugriffs; ihre musikalische Meisterschaft offenbarte sie freilich am deutlichsten in einer Zugabe: Chopins letztes Prélude in d-moll besaß neben aller drängenden Unrast auch jenen Tropfen Herzblut, woran man den Musiker von echtem Schrot und Korn erkennt.

Köln-Bonner Musikkalender, 12.2007

Schumanns ‚Kreisleriana‘ eröffnete auch ihr Konzert in der Tonhalle Düsseldorf. (…) Wirbelnd rasch, nachdenklich verträumt, oder gespenstig daherhuschend, Evgenia Rubinova machte in diesen acht Fantasiestücke mit stark kontrastierendem Charakter eindrucksvoll deutlich, warum Robert Schumanns Kreisleriana als Schlüsselwerk der romantischen Klavierliteratur gilt. Damit hatte Evgenia Rubinova ihr Reservoire an klanglichen und gestalterischen Möglichkeiten allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Das bewies sie zunächst mit der Fantasie h-Moll op. 28 von Alexander Skrjabin. (…) Energisch, sehr farbig und wiederum äußerst differenziert gestaltete Evgenia Rubinova diese Fantasie bis hinein in die im Forte-Fortissimo kulminierenden dynamischen Steigerungen. Der zweite Teil des Konzertes war den 6 Moments musicaux op. 16 von Sergej Rachmaninow gewidmet. (…) Auch für diese technisch enorm anspruchsvollen Stücke, die in liedhafter Einfachheit, die lyrisch und träumerisch weitergesponnen wird, sich in Moll-Tonarten ganz der Melancholie hingeben und über Des-Dur zum sinfonisch sich entladenden Klangrausch des C-Dur Maestoso-Finales führen, fand Evgenia Rubinova eine eigene, ganz persönliche Interpretation. Ob leidenschaftlich bewegt, oder brillante Läufe voller Energie und Strahlkraft, bei Evgenia Rubinova ist die Technik immer nur die handwerkliche Voraussetzung für eine musikalisch individuell ausgearbeitete Interpretation, die hörbar immer mehr an Überzeugungskraft gewinnt. Vom hellauf begeisterten Publikum in der Tonhalle Düsseldorf verabschiedete sich Evgenia Rubinova schließlich mit zwei Preludes von Chopin als Zugabe. Möge das nächste Konzert von Evgenia Rubinova nicht zu lange auf sich warten lasen! Fazit: Evgenia Rubinova fasziniert und begeistert durch technische Brillanz und ausgeprägte Gestaltungskraft.

Gerhard Menze, Online Musik Magazin, 12.2007

Immer wieder mischte sich eine kontrapunktische Durchdringung in Rubinovas schöne, melodische Bewegung. Wenn sie will, spielt sie mit beiden Händen. Töne treten dann in ein Beziehungsgeflecht, Stimmen und Figurationen reiben sich diskret aneinander. So rettet die Pianistin Rachmaninows Moments musicaux sowohl vor sentimental-weinerlichem Weltschmerz wie auch vor kaltschnäutziger Virtuosenshow. Traumsicher trifft sie die rhythmischen Verschiebungen etwa des b-moll-Stücks. Rastlos wirbelnde Sextolen nuscheln bei Frau Rubinova nicht undurchsichtig herum, sondern zeigen sich als klar konturierte musikalische Gestalten, aus denen ganz unaufdringlich Nebenstimmen erwachsen. Und wer, bitte schön, kann das superschwere, majestätisch donnernde Schlussstück so markant und leuchtend zum Klingen bringen wie sie?

Jan Roxin, Westdeutsche Zeitung, 30.11.2007

Evgenia Rubinova zeigte “stilistische Delikatesse“ und differenzierte Farbgebung. Ihre technischen Mittel scheinen überreich.

Regine Müller, Rheinische Post, 30.11.2007

In der Riege junger Pianistinnen tauchen in letzter Zeit verstärkt russische Namen auf. Um sich auf dem umkämpften Klassikmarkt durchzusetzen, bemühen sich zahlreiche Damen nicht nur durch ihr Spiel, sondern auch durch ihren Look und Allüren aufzufallen. Wenig davon hat die 30-jährige Evgenia Rubinova, die jetzt in der Tonhalle, im Rahmen der Heinersdorff-Reihe „Piano Solo”, ein beachtliches Debüt gegeben hat. (…) Die Frau mit dunklem dichten Haarschopf und schwarzem Seidenkleid liebt's schlicht, schmucklos und rein. Der wilde losbrechende Sturm in der Kreilseriana, in der Schumann dem Kapellmeister Johannes Kreisler (einer Fantasiefigur aus E.T.A. Hoffmans 'Kater Murr') ein Denkmal setzt, dosiert Rubinova. Die komplizierten Rhythmen, Tempo-Steigerungen und Betonungen wirken bei ihr natürlich. Sie spielt konzentriert über den Steinway gebeugt, ohne Schnickschnack, ohne nervenkitzelnden Phrasierungen. (…) Technische Perfektion? Die erzielt die aparte, zurückhaltende Pianistin mit geschmeidigen Fingern mit Selbstverständlichkeit. Kein Wunder, denn sie gehört noch zu der Spezies, die nicht verheimlicht, dass sie jeden Tag acht Stunden an ihrem Instrument üben. Und das macht sich auch bei Rachmaninows technisch anspruchsvollen ‚Moments musicaux‘ bemerkbar. Die sechs Bravurstücke, in denen der Tondichter die russische Seele aufflackern lässt, sind bei Rubinova in besten Händen. Wie sie Emotionen mit ihrem Verstand zu dosieren versteht, bewies sie zuvor bei Skrjabins Fantasie. Die heftige Dynamik und schillernden Farben dieses rhapsodisch schwelgenden Opus' zeichnet sie mit klaren Linien. Bei aller Freude an zupackendem Forte hütet sie sich vor tosender oder klirrender Tastenprahlerei. Fazit: Rubinova – eine Denkerin im Dienste der Musik.

Michael-Georg Muller, Neue Rhein Zeitung, 29.11.2007

Evgenia Rubinova fühlte sich „bei Aleksander Skrjabin und Sergej Rachmaninow richtig ‚zuhause’ (…), denn hier blühte ihr Spiel auf. Die Fantasie h-moll op. 28 von Skrjabin erklang im angemessenen extrovertierten Espressivo, mit majestätischer Wucht, dabei aber immer differenziert im Anschlag. Und die abschließenden Sechs Moments musicaux op. 16 von Rachmaninow wurden zum Höhepunkt des Abends: satte Farben, glänzend perlende Läufe, charakteristische Ausformung der einzelnen Stücke, technische Brillanz. Die eher selten zu hörende Werkfolge erklang in einer sehr ausgereiften Wiedergabe.“ (…) Evgenia Rubinova „wurde stürmisch gefeiert und bedankte sich mit den Préludes Nr. 17 As-Dur und Nr. 24 d-moll aus Frédéric Chopins op. 28 als Zugaben.

Hartmut Lück, Weser-Kurier, 26.11.2007

Im Konzert bringt sie eine heitere, lichte Seele zum Klingen: überschwänglich in ihrem Jubel, fast ohne Pedal gespielt, immer klar. (…) Keine Tastenlöwin, sondern eine elegante Amazone.

Hilde Malcomess, Rheinischer Merkur, 22.11.2007

Evgenia Rubinova brillierte in Tschaikowskys Nr. 1. Die in Russland geborene Pianistin schaffte den Sprung in die erste Liga der jungen Pianistengeneration mit einem Preisgewinn beim berühmten Klavierwettbewerb in Leeds. (…) Rubinova betört durch ihren kraftvollen Zugriff, eine glänzende Technik und professionelle Hellhörigkeit im Spiel mit dem Orchester. (…) Amüsant waren die lobenden Blicke des Maestros über den Klavierdeckel, um seiner pianistischen Hexerin ein zufriedenes Lächeln zu schenken.

Olaf Weiden, Kölnische Rundschau, 05.11.2007

Solistin des Klavierkonzertes war die junge Russin Evgenia Rubinova, offenbar und zu Recht ein neuer Liebling der Frankfurter. Sie bestach sowohl durch ein markantes, nicht allein ans “Schöne” appellierendes Spiel ebenso wie durch ihre rhythmische Stabilität. Und das, ohne etwas vom Beethoven'schen Furor zu opfern. Ein Gemeinsames mit Carignani und dem Orchester war dabei ihre “Leidenschaft” für Beethoven, nämlich die Lust und der Ernst, sich ihm zu nähern, also die Spannungen dieser Musik nicht nur aufzubauen, sondern auch zu genießen.

jö, Frankfurter Neue Presse, 18.06.2007

Elle a tout d’une grande” bewirbt ein französischer Autohersteller einen Kleinwagen: Sie hat alles einer Großen. So könnte auch die Überschrift zu einem bemerkenswerten CD-Debüt lauten, das Evgenia Rubinova bei EMI eingespielt hat.

Die Pianistin wurde 1977 in Taschkent geboren und lebt zurzeit in Frankfurt. Erste Erfolge hatte sie vor allem in England als Solistin mit renommierten Orchestern wie dem London Philharmonic – in der kommenden Saison sind Konzerte in der Alten Oper Frankfurt geplant.

Was bei diesem Debüt auffällt, ist die Souveränität, mit der Rubinova nicht nur technische Schwierigkeiten meistert – heutzutage quasi eine Selbstverständlichkeit -, sondern vor allem die Souveränität im musikalischen Ausdruck oder, anders gesagt, die weit fortgeschrittene Fähigkeit bei der Umsetzung von der Idee zum Klang. Nehmen wir zum Beispiel das “Intermezzo: Andante Con Grazia Ed Intimissimo Sentimento” aus Brahms’ Fantasien op. 116. Ein erstes Thema, das man als kalt und “Grau in Grau” beschreiben könnte, kontrastiert mit einem wärmeren Nachsatz. Statt diesen Kontrast hervorzuheben, behält Rubinova ganz richtig den ersten Charakter bei und setzt lediglich ausgewählte, sparsame Akzente. Ein Effekt nicht ohne eine gewisse Abgeklärtheit, aber vor allem ein ausgereifter Gestaltungswille. Ein einziger Rat, den man ihr für Brahms mitgeben möchte, ist der, die Polyphonie noch stärker zu berücksichtigen.

Den Ton für verschiedene Charaktere zu treffen ist eine Stärke, die Rubinova in der “Kreisleriana” von Schumann voll ausspielen kann. Dabei geht sie generell einen Weg der Mäßigung: Nichts von den manchmal an romantischen Irrsinn grenzenden Einfällen Schumanns wirkt bei ihr ins Groteske verzerrt, und die lieblicheren Episoden halten sich ebenso weit vom Kitsch entfernt. Mit diesen Mitteln gelingt ihr auch die Fantasie op. 49 von Chopin auf grandiose Weise.

Matthias Reisner, Rondo Magazin, 27.10.2006

Mit gefühlvoller Reife sie den Klavierpart von Beethovens c-Moll-Konzert, erweckte spieltechnisch jederzeit überlegen die Brillanz der Funkenflüge, lotete aber auch die Tiefe der charaktervollen Eigenart des Largo aus und brachte den Esprit des lebhaften, harmonisch farbigen Rondos zur Entfaltung.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2006

Evgenia Rubinova mit erstaunlichem Debüt

 

Sie ist erwachsen geworden, könnte man als erste Reaktion nach dem Anhören der ersten CD von Evgenia Rubinova, die nun bei EMI Classics erschienen ist, ausrufen. Aber war sie das nicht längst schon? Nachdem sie 2003 den 2. Preis im Leeds-Wettbewerb gewonnen hatte, ging es steil bergauf mit der Karriere von Evgenia Rubinova – und nun hat sie sich ein Programm vorgenommen, das unter dem Motto “Fantasie” gleich drei schwere Brocken der Klavierliteratur verbindet: Schumanns “Kreisleriana”, Chopins Fantasie Op. 49 und Brahms Op. 116-Zyklus. Die Interpretin äußert sich mit gewitzten und intelligenten Fragen im Booklet zum Thema Fantasie und deren Hintergrund. Und ja, ist nicht alles irgendwie fantasievoll, was die Musik darstellt – nur einige Werke mehr als andere? Recht hat sie. Aber ihre Spiel ist weit fantasievoller.

Nun, Schumanns “Kreisleriana” begeistert in Rubinovas Art des Spiels. Sie ist kontrolliert auf der einen Seite, weiß aber auf der anderen Seite ihren Emotionen freien Lauf zu lassen, so dass das Klangspektrum grandios gestaltet wird. Und gerade diese perfekte Kontrolle des Klangs macht ihr Spiel so besonders. Sie versteht Schumanns Ideenwelt, kann sie nachvollziehen, weiß ihr zu folgen. Dass sie dabei auch manches Mal fast überzieht, das Tempo so stark steigert, dass Feinheiten in den Tiefen nicht ganz zum Tragen kommen, sei verziehen, denn insgesamt lässt sie sich die Zeit, die nötg ist, um dem Wesen Schumanns, den Charakteren, die sich in diesem Zyklus tummeln, näher zu kommen, sie auch im zyklischen Gedanken im Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Und sie beendet diesen Zyklus wie in einem durch einen Rausch gegangenen, versiegenden Bach.

Chopins Fantasie Op. 49 wird von Rubinova wirklich frei gestaltet, als Fantasie, nimmt sich sich Freiheiten im Rahmen des Notentextes heraus, die Sinn machen. Hier nun leuchtet sie vor allem das dynamische Spektrum faszinierend aus, wieder klanglich leuchtend. Rubinova spielt Rubati, die nicht aus Überlegungen stammen, sondern im emotionalen Lauf stimmig sind und zeigen, wie sehr sie sich mit diesem Werk identifiziert.

Und auch Brahms später Zyklus Op. 116 ist gut gespielt. Es fehlt – was kann man von solch einer jungen Pianistin erwarten, die sich auf eines der altersweisen und melancholischen wie aufbrausenden Werke von Brahms stürzt – teilweise die tiefe Melancholie, die in den langsamen Intermezzi steckt. Und dennoch, im Sinne des Fantastischen weiß sie auch hier zu überzeugen.

Mit dieser ersten CD beweist Evgenia Rubinova, dass sie eine großartige Pianistin ist, die alle wichtigen Attribute einer nachdenkenden Künstlerin in sich vereint: Ruhe, kontrollierter Kangsinn und emotionaler Tiefgang für die Ideenwelt der Komponisten. Und selbstverständlich hat sie das technische Rüstzeug, um all dies umzusetzen.

Carsten Dürer, Piano News, 2006

Six Moments Musicaux op. 16 von Sergej Rachmaninoff — Im Andantino entwickelte sie dynamische Steigerungen, die eingebettet waren in melancholische Klangsphären. Mit leidenschaftlicher Energie und spannungsreicher Stringenz interpretierte sie das Allegretto, und lastende Schwermütigkeit prägte stilsicher das Andante cantabile. Aufwühlend und kraftvoll erklang das Presto, in dem die Interpretin ein pianistisches Feuerwerk entfachte, und eindringliche Sanfmut im Adagio führte zurück in eine einsinnige Tongebung. Im furiosen Finale (Maestoso) trotzte die Pianistin dem Stutzflügel alle Klangvolumina ab, die das Instrument herzugeben vermochte.

Frankfurter Neue Presse, 2005

Sie verfügt nicht nur über einen variablen, im Laufwerk bravourös perlenden Anschlag, sondern auch über ein reifes Gestaltungsvermögen. Ihr Dialog mit dem in den Kantilenen oft gleichberechtigten Orchester war ein reiner Genuss.” (“Mozart Jeunehomme”-Klavierkonzert KV271)