Konzertstück III

Das Schicksal, das sich immer wieder von neuem zeigt, düster und unerbittlich – so empfinde ich den Grundcharakter von Konzertstück III.

Das Werk entsteht allmählich in düsteren Farben aus dem Nichts. Zuerst entwickelt sich der Klang, dann der Rhythmus und schließlich die Form. Diese Entwicklung erstreckt sich über das gesamte Werk. Der Rhythmus spielt eine besonders große Rolle. Ähnlich wie im Jazz ist ein unerbittlicher Grundrhythmus zentral; er gibt der Musik die Möglichkeit, stellenweise geradezu zu swingen.

Das Schicksalsthema wird bereits zu Beginn hörbar. Sein Erkennungsmerkmal und Strukturelement ist der wiederkehrende Ton B im Bass.

Der erste Teil findet seinen Höhepunkt in der mehrfachen Konfrontation des Schicksalsthemas mit einem zweiten Element. Bei diesem handelt es sich um eine kreisende Bewegung, die in Achteln und dann durch eine Spiralbewegung in Passagenketten nach oben fließt, weg von der Düsternis – obwohl es aus dieser letztlich kein Entrinnen gibt.

Es folgt ein Tanz des Teufels. Das Schicksalsthema hat sich entwickelt, es ist schneller und wilder und enthält nun motorische Elemente. Einzelne melodische Motive werden aus dem Tanz herausgezogen.

Der Tanz verliert sich allmählich; die Motive werden kürzer, sie werden unterbrochen und schließlich erstirbt der Tanz. Wir erhalten Zeit zum Ausatmen.

Es folgt ein lyrischer Teil, der in eine intime, introvertierte Welt führt. Doch dieser Teil mündet in eine leidenschaftliche, verzweifelte Frage.

Die Frage bleibt unbeantwortet. Stattdessen folgt das erneut weiterentwickelte Schicksalsthema. An dessen Schluss dringen die motivischen Elemente durch, die zum Abbruch, zu einer Katastrophe führen.

Plötzlich sind wir in der Stille. Nur klangliches Stöhnen ist noch geblieben. Auch dieses erstirbt. Mit dem letzten Stöhnen verschwindet alles. Aus dem Nichts war alles entstanden und im Nichts ist alles verschwunden.

Konzertstück III eröffnet eine endlose Vielfalt fantasievoller interpretatorischer Möglichkeiten. Der Komponist ist ein Kenner des Instruments: Er lässt das Klavier nicht nur polyphon, sondern oft sogar mehrdimensional klingen. Nicht zuletzt ist die Schreibweise hervorragend; alles liegt pianistisch wunderbar in der Hand.

Evgenia Rubinova